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Die Typen hinter den Mythen

Ja. Die Burschen, die Jungs, die Räuber, die Helden, die Rebellen. Um sie ranken sich die Mythen und Legenden, sie wurden und werden in Liedern besungen und auf Bühnen und sogar in Kino wieder belebt. Aber haben Sie schon einmal etwas von Anna Stainer-Kittel gehört? Sie ist das Vorbild für die legendäre „Geierwally“. Und auch sie gehört dazu, zu diesen bayerischen Mythen. Wobei man/frau hier gleich mit einem Mythos aufräumen muss: Die kämpferische Frauengestalt ist eigentlich eine Tirolerin. So. So. Es gibt einige dieser „Aha-Momente“ im Buch „Bayerns Mythen“ von Sonja Still, die sechs prominenten, ja unsterblichen Figuren und ihrer Mystifizierung nachgespürt hat.


Fränkischer Mikrokosmos

Kennen Sie Franken? Natürlich, das ist die Region der Burgen, Schlösser, Fachwerkhäuser! Das Land der Rostbratwurst, von Bier und Wein! Alles richtig – aber kennen Sie Franken wirklich? Helmut Haberkamm hat sich über mehrere Monate immer wieder auf die Reise gemacht und 20 kleine Dörfer in Franken besucht; sehr kleine Dörfer, solche, in denen nicht mehr als 150 Menschen leben.


Eisner, Lola und ein Bangert

Er: 60. Sie: 25. Die Liaison zwischen dem bayerischen König Ludwig I. und der „spanischen“ Tänzerin Lola Montez (die eigentlich Elizabeth Rosanna Gilbert hieß und aus Irland stammte) ist legendär. Dabei waren beide kein Kinder von Traurigkeit. Am Ende musste der König abdanken und seine Lola aus Bayern verschwinden. Hinterlassen hat der Monarch der Nachwelt unzählige Gedichte, die der leidenschaftlich entflammte, nicht mehr ganz junge Liebhaber seiner Lola widmete. Dieses hier zum Beispiel:

Süße Düfte streut die Linde
in dem schönen Brückenau.
Unter Zweigen, die sich neigen,
wallt die allerschönste Frau:

Lola Montez, die Sylphyde,
mit dem rabenschwarzen Haar,
feinen Brauen und den blauen
Augen hell und klar!

Lola Montez, der im Herzen
brennt des Südens Leidenschaft,
mit den Trieben, die im Lieben
und im Hassen gleich an Kraft.

Nach dem Aus der Beziehung (und der Erkenntnis, dass er sie wohl mehr begehrt hat als sie ihn) wurden die Verse übrigens weniger romantisch. Mehr dazu lesen Sie in Band 1 der neuen Buchreihe AVENTIN. Darin finden Sie weitere unterhaltsame Episoden aus der bayerischen Geschichte: Kaiser Karl V. und die Regensburger Jungfrau Barbara, Revolution in Bayern: Prinzessinnen auf der Flucht und Kurt Eisner, der Mann, der den Freistatt proklamierte. Lernen Sie den Hofkoch von Ludwig II. kennen und das älteste Gasthaus der Welt.

AVENTIN erhalten Sie als gedrucktes Buch (Hardcover) für 16,80 Euro in gut sortierten Buchhandlungen und beim Verlag: info@aventin.by, als eBook für 7,90 Euro als Amazon-Kindle-Version und als PDF zum Herunterladen auf www.xinxii.com Mehr: www,aventin.by


Selige und Sittenwächter

Warum der Simplicissimus im Jahre 1930 die Ingolstädter Stadträte und Sittenwächter verspottete. Letztere dürften sich im Grabe herumdrehen, wenn sie gehört und gesehen hätten, was den Ingolstädtern im Oktober, der bekanntlich eine Frau ist, von der Kabarettgruppe „Vaginas im Dirndl“ präsentiert wurde. Aber lesen Sie selbst! Da ist der Bericht über den Maler Horst Werschetzki und sein Akt-Modell regelrecht harmlos. Wem das alles zu erotisch ist, der kann mit der katholischen Kirche auf ein Wunder warten, dessen es bedarf, damit Pater Rem seliggesprochen wird. Er kann aber auch im Distrikt Five bei den Kaffeeprofis dem Kult der Bohne frönen. Hans Fegert überrascht in seinem neuen Buch über „Ingolstadt im Dritten Reich“, aus dem wir ein Kapitel abdrucken, mit der Geschichte über Heinrich Himmlers Aufenthalt in Ingolstadt. Sie erfahren auch, warum schon Jahrhunderte, bevor Audi in China Autos baute, ein Jesuit für den Kaiser von China ein „auto mobile“ konstruierte. Rennsportfreunde werden gern die Lebensgeschichte der Motorsport-Legende Gustl Hobl lesen. Kulturell Interessierte erfahren, wie Intendant Knut Weber im Stadttheater den digitalen Herausforderungen begegnet und warum Ruben Gazarian als Dirigent kein Diktator sein will.

IngolStadtBuch2
HMK Multi Media GmbH Ingolstadt
ISBN 978-3-9817390-6-0

Das IngolStadtBuch2 ist erhältlich bei Hugenbubel in Ingolstadt, Theresienstraße und Westpark

Bestellungen per Mail an: info@aventin.by


Revolution live

„Hier jagen sich die Ereignisse. Die Agenten der Entente sind unterminierend tätig, erstens gilt´s dem deutschen Kaiser und Kronprinzen, dann den deutschen Fürsten. Wenn die unabhängigen Sozialdemokraten noch mehr Zuwachs und Macht bekommen, dann kann auch Bayern die Republik drohen. Ich bin auch auf die Revolution gefaßt.“ Das schreibt Prinzessin Wiltrud von Bayern am 1. November 1918 in der Münchner Residenz in ihr Tagebuch. Wenig später sollte sich ihre Ahnung bewahrheiten: Am 7. November proklamiert Kurt Eisner den Freistaat Bayern und erklärt ihren Vater, Ludwig III. als König für abgesetzt.

Die historischen Fakten sind bekannt. Aber wie haben die Mitglieder des Königshauses die dramatischen Ereignisse erlebt? Hundert Jahre später lässt die Autorin Christiane Böhm Augenzeugen von damals berichten. In ihrem Buch „Eben noch unter Kronleuchtern…“ hat sie die Tagebucheinträge und Erinnerungen der Prinzessinnen Wiltrud, Hildegard und Helmtrud sowie die Aufzeichnungen von Franziska „Fanny“ Scheidl, der Kammerfrau von Königin Marie Therese veröffentlicht und erlaubt so einen einzigartigen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt dieser Mitglieder des königlichen Hofes. Ein Buch wie eine Liveübertragung. Aber wo stöbert man diese Aufzeichnungen auf? Im Geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher. Christiane Böhm kam während er Recherchen für ihr Buch „Wie lebten Prinzen und Prinzessinnen in Wirklichkeit oder Erbsen ohne Ende!“ (August Dreesbach Verlag, 2009) über den Alltag der bayerischen Königskinder auf dieses Archiv: „Ich stieß dort unter anderem auf die Tagebücher der Prinzessin Wiltrud. Mir gefiel ihr origineller und eigensinniger Charakter als Kind und schon damals fasste ich den Gedanken ihren Nachlass in einem eigenen Projekt in Angriff zu nehmen,“ erklärt die Autorin. Was sie dort zu Tage förderte ist spannend, berührend, informativ und vor allem eines: keine Fiktion. So beschreibt Prinzessin Wiltrud die Flucht aus der Residenz in der Nacht auf den 8. November, als die Familie völlig unvorbereitet das Nötigste zusammen packte und sich „im Schatten von Pfeilern und sich nach Verstecken umsehend“ hinüber in die Garage stahl. Der erste Chauffeur Hausner sei nicht zu finden gewesen, weil er gerade bei der revolutionierenden Menge auf den Josephsplatz gewesen sein soll: „Die Autos waren in abschäulicher Verfassung, als wir sie so nötig brauchten, verschmutzt und nicht im Stande. Der I. Chauffeur Hausner, ein glänzender Fahrer, der aber vom Instandhalten und Putzen der Maschinen nicht viel verstand, war ein Erz-Sozi, und wir bei Hof wußten es nicht.“

Eine Hochzeit und prominente Todesfälle

Die Prinzessinnen und Hofdame Fanny berichten von der chaotischen Flucht, die schließlich in Schloss Wildenwart endete und von den Begegnungen, die sich dort ereigneten. Tragischer Tiefpunkt für die Familie war der Tod von Königin Marie Therese im Februar 1919. Bei ihren Recherchen ist Christiane Böhm in diesem Zusammenhang auf eine für sie besonders berührende „Szene“ gestoßen: „Es ist der Moment, in dem Wiltrud erfährt, dass ihre Mutter gestorben sein soll. Wiltrud ist gerade auf dem Weg ihre Eltern zu suchen und sitzt incognito in einer Postkutsche mit anderen Fahrgästen, die meisten davon ‚Sozis‘. Eine Mitreisende nervt Wiltrud mit ihrem unablässigen Geschwätz, doch plötzlich erwähnt sie mitten in all den Nichtigkeiten, dass die Königin ‚auch gschtorbn‘ sein soll. Obwohl Wiltrud die Nachricht vom Tod ihrer eigenen Mutter durchfährt wie ein Schwert und sie innerlich vollkommen aufgelöst ist, muss sie sich nach außen völlig unberührt geben und so tun als sei nichts (ja, sie beteiligt sich sogar noch beiläufig am Gespräch, um nicht aufzufallen).“

Inmitten all der Turbulenzen wird die Hochzeit von Prinzessin Gundelinde („Gunzi“) mit Graf Johann Georg von Preysing-Lichtenegg-Moos geplant, der am 21. Februar 1919 in München Augenzeuge eines Verbrechens wurde, das Bayern veränderte. Prinzessin Wiltrud schrieb das nieder, was er ihr berichtete: „Als Georg vor 10 Uhr, der Beginnstunde des neuen Landtages, hinunter ging, um auf der Post Gunzi seine Ankunft zu melden, hörte er Schüsse (…). Er sah unterhalb des Ministeriums, schon in der Promenadenstraße eine große Blutlache.“ Soeben war Ministerpräsident Kurt Eisner von Toni Graf Arco-Valley erschossen worden.

Aus den Aufzeichnungen der Prinzessinnen lässt sich auch auf deren Charaktere schließen. So attestiert Christiane Böhm den Prinzessinnen Helmtrud (1886 – 1977) und Wiltrud (1884 – 1975) einen gewissen Pragmatismus. Sie hätten die Geschehnisse gut verkraftet. Anders Prinzessin Hildegard (1881 – 1948): Obwohl sie wie Helmtrud bereits Rotkreuz-Krankenpflegerin im 1. Weltkrieg war, war sie eher künstlerisch veranlagt, nervenschwach und nicht so belastbar. „Was allen gemeinsam war und aus heutiger Sicht vielleicht erstaunt, ist, dass keine von ihnen je jammert oder sich beklagt. Ich vermute, das liegt zum einen an der Zeit (damals stand das persönliche Schicksal generell nicht so im Vordergrund wie heute) als auch an der katholischen Erziehung durch die Eltern, entsprechend dem Motto: Was Gott schickt, muss man ruhig ertragen und darf der Mensch nicht murren“, erklärt die Autorin, die mit ihrem Buch die Geschehnisse während der bayerischen Revolution aus einem wirklich außergewöhnlichen Blickwinkel betrachtet.

„Eben noch unter Kronleuchtern…“

Die Revolution 1918/19 aus Sicht der bayerischen Königstöchter
Christiane Böhm Hrsg.
Edition Luftschiffer
ISBN 978-3-944936-52-9

Foto: Thomas Endl